Ratgeber

Beckenbodentraining: Übungen für den Alltag

Beckenbodentraining heißt, eine Muskelplatte im Becken gezielt anzuspannen und wieder loszulassen. Du brauchst dafür kein Gerät und keinen bestimmten Ort, nur ein paar Minuten am Tag. Am wichtigsten ist, dass du den Muskel überhaupt findest, denn ohne das übt man am Ziel vorbei.

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Beckenboden ist eine Muskelplatte, die dein Becken nach unten abschließt. Er trägt die Organe und hält Blase und Darm verschlossen.
  • Du findest ihn, indem du so anspannst, als wolltest du den Urinstrahl anhalten. Bauch, Po und Oberschenkel bleiben dabei locker.
  • Vier einfache Übungen reichen für den Anfang. Wichtiger als die Übung ist, dass du sie regelmäßig machst.
  • Fünf Minuten am Tag über mehrere Wochen bringen mehr als eine lange Einheit pro Woche.
  • Schwangerschaft, Geburt, Wechseljahre, schwerer Sport und das Älterwerden bei Männern sind die Phasen, in denen das Thema aufkommt.

Was ist der Beckenboden und was tut er?

Der Beckenboden ist eine Muskelplatte, die dein Becken nach unten abschließt. Sie spannt sich zwischen Schambein, Steißbein und den beiden Sitzbeinhöckern auf, ungefähr wie ein kleines Trampolin.

Diese Platte hat drei Aufgaben. Sie trägt die Organe im Becken, also Blase und Darm, bei Frauen zusätzlich die Gebärmutter. Sie hält die Ausgänge verschlossen und öffnet sie, wenn du es willst. Und sie stabilisiert deine Mitte zusammen mit Zwerchfell, Bauch und Rücken.

Der Beckenboden liegt tief innen, du siehst ihn nicht und spürst ihn im Alltag kaum. Genau deshalb wird er selten trainiert, obwohl er bei jedem Schritt und jedem Huster mitarbeitet.

Wie finde ich ihn und wie spanne ich richtig an?

Setz dich aufrecht hin, die Füße flach auf dem Boden. Spann nun so an, als wolltest du den Urinstrahl anhalten und gleichzeitig Winde zurückhalten. Das Gefühl ist ein Heben nach innen und oben, nicht ein Drücken nach unten.

Leg eine Hand auf den Bauch und eine auf das Gesäß. Beide sollten locker bleiben. Wenn sich der Bauch anspannt oder du die Pobacken zusammenkneifst, machst du zu viel mit den falschen Muskeln.

Atme während des Anspannens ruhig weiter. Luft anhalten ist der häufigste Fehler, weil dabei der Druck im Bauchraum steigt und genau nach unten drückt.

Eine Warnung, die auf vielen Seiten fehlt: Übe das Anhalten nicht beim Wasserlassen selbst. Als einmalige Suchprobe ist es in Ordnung, als Übung schadet es der Blase auf Dauer.

Vier Übungen für den Anfang

01

Der kurze Impuls

Spann den Beckenboden für eine Sekunde kräftig an und lass sofort wieder los. Zehn Mal hintereinander, dann eine Pause von zehn Sekunden. Drei Runden. Das übt die schnelle Reaktion, die du beim Husten und Niesen brauchst.

02

Das lange Halten

Spann an und halte fünf Sekunden, dann löse langsam über fünf Sekunden. Atme dabei ruhig weiter. Acht Wiederholungen. Wenn das Halten schwerfällt, geh auf drei Sekunden runter, das ist kein Rückschritt.

03

Der Aufzug

Stell dir vor, dein Beckenboden fährt in drei Etagen nach oben. Spann stufenweise an, halte kurz auf jeder Stufe und fahre dann stufenweise wieder nach unten. Fünf Wiederholungen. Das schult das feine Ansteuern.

04

Anspannen vor der Last

Spann den Beckenboden bewusst an, bevor du hustest, niest, lachst oder etwas Schweres hebst. Das ist keine Übungseinheit, sondern eine Gewohnheit. Genau diese Gewohnheit ist im Alltag am wertvollsten.

Diese vier Übungen kannst du im Sitzen machen, an der Bushaltestelle, am Schreibtisch oder beim Zähneputzen. Niemand sieht es dir an.

Warum Regelmäßigkeit mehr zählt als Intensität

Der Beckenboden ist ein Muskel und verhält sich wie jeder andere: Er reagiert auf wiederholte Reize über einen längeren Zeitraum. Eine einzelne lange Einheit bringt wenig, fünf Minuten an sechs Tagen der Woche bringen viel.

Rechne mit mehreren Wochen, bevor du einen Unterschied bemerkst. Das ist normal und kein Zeichen dafür, dass du es falsch machst. Wer nach zehn Tagen aufhört, hat dem Muskel keine Chance gegeben.

Häng die Übung an etwas, das du ohnehin täglich tust. Nach dem Zähneputzen, vor dem ersten Kaffee, an der roten Ampel. Eine feste Verknüpfung trägt länger als ein guter Vorsatz.

In welchen Lebensphasen wird das Thema wichtig?

Schwangerschaft

Das Gewicht drückt über Monate nach unten, und das Gewebe wird weicher. Sanftes Üben ist in dieser Zeit meist möglich, sprich es aber mit deiner Hebamme oder deiner Ärztin ab.

Nach der Geburt

Warte ab, bis dein Rückbildungskurs beginnt, üblicherweise sechs bis acht Wochen nach der Geburt. Nach einem Kaiserschnitt oder einem Dammriss gilt der Zeitpunkt, den deine Ärztin nennt.

Wechseljahre

Der sinkende Östrogenspiegel verändert das Bindegewebe. Viele Frauen merken in dieser Zeit zum ersten Mal, dass der Beckenboden nachlässt. Ein guter Moment, um anzufangen.

Sport mit Stößen und Lasten

Springen, Laufen und schweres Heben erhöhen den Druck im Bauchraum. Der Beckenboden muss dann reflexartig gegenhalten. Wer viel davon macht, sollte ihn gezielt mittrainieren.

Männer ab etwa 50

Auch Männer haben einen Beckenboden, und auch bei ihnen lässt er mit den Jahren nach. Nach einem Eingriff an der Prostata ist das Üben ein fester Bestandteil der Nachsorge, die Anleitung dazu gibt die behandelnde Praxis.

Wo ein Beckenbodenstuhl ergänzen kann

Manche Menschen finden den Muskel einfach nicht. Sie spannen an und spüren nichts, oder sie spannen unbemerkt Bauch und Po mit. Für sie ist das eigene Üben zunächst frustrierend, weil die Rückmeldung fehlt.

An dieser Stelle kann ein Beckenbodenstuhl ergänzen. Er spannt die tiefe Muskulatur über ein Magnetfeld an, ohne dass du selbst ansteuern musst. Du sitzt 28 Minuten angezogen darauf und spürst dabei zum ersten Mal deutlich, wo dieser Muskel überhaupt sitzt.

Das ersetzt das eigene Üben nicht. Auf dem Stuhl lernst du nicht, den Beckenboden vor dem Husten oder vor dem Heben selbst anzuspannen, und genau darauf kommt es im Alltag an. Wir sagen deshalb bewusst: erst üben, den Stuhl dazu, nicht andersherum.

Häufige Fragen

Wo liegt der Beckenboden?

Der Beckenboden ist eine Muskelplatte, die das Becken nach unten abschließt. Sie spannt sich zwischen Schambein, Steißbein und den beiden Sitzbeinhöckern auf. Sie trägt Blase, Darm und bei Frauen die Gebärmutter und hält die Ausgänge verschlossen.

Wie finde ich meinen Beckenboden?

Spann so an, als wolltest du den Urinstrahl anhalten oder Winde zurückhalten. Das Gefühl ist ein Heben nach innen und oben. Bauch, Po und Oberschenkel bleiben dabei locker. Übe das Anhalten aber nicht beim Wasserlassen selbst, das ist auf Dauer nicht gut für die Blase.

Wie oft sollte ich üben?

Besser täglich fünf Minuten als einmal pro Woche eine halbe Stunde. Der Muskel reagiert auf Regelmäßigkeit. Rechne mit mehreren Wochen, bis du einen Unterschied bemerkst.

Kann ich beim Beckenbodentraining etwas falsch machen?

Ja. Die häufigsten Fehler sind Pressen nach unten statt Heben nach innen, das Anhalten der Luft und das Mitspannen von Po und Bauch. Wenn du unsicher bist, lass dir das einmal von einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten zeigen.

Was bringt ein Beckenbodenstuhl zusätzlich?

Ein Beckenbodenstuhl spannt die tiefe Muskulatur über ein Magnetfeld an, ohne dass du selbst ansteuern musst. Das kann eine Ergänzung sein, wenn dir das eigene Ansteuern schwerfällt. Es ist kein Ersatz für das eigene Üben, weil du auf dem Stuhl nicht lernst, den Beckenboden im Alltag einzusetzen.

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Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Stand: 18. September 2026.